Durch den Mund atmen

Also, im Moment ernähre ich mich gefühlterweise hauptsächlich von Eiswürfeln und trotze mehr als üblich den guten Ratschlägen. Früher war der Spruch „30 Grad im Schatten, wir schwitzen wie die Ratten…“. Heute sprechen wir bei 30 Grad von Entspannung. Da können weder die Veranstalter von Festen noch die Betreiber von Freibädern jammern, auch wenn da halt immer mal was los ist, das den ein oder anderen Artikel wert ist.

Abseits davon kann man doch seine morgendlichen Runden in der Stadt drehen. Sollte man dabei an Mülltonnen mit unterschiedlicher Füllung vorbeikommen, macht sich die Hitze schon auch einmal negativ bemerkbar. Man sagt sich dann, dass man jetzt am besten nur durch den Mund atmen solle und es ist wieder gut. Schliesslich hilft Jammern ja nichts, oder? Tja, man könnte… Ach was. Das macht doch eh keiner.

solch ein Garten schreit geradezu nach Nachverdichtung

Und so präsentiert sich denn auch am Dienstag im Bauausschuss ein neues Bauvorhaben an der Matulusstraße. Diesmal ist die Hausnummer 25 dran. Laut offizieller Mitteilung soll hier ein Wohngebäude mit 11 Wohnungen entstehen. Man denkt sich erst mal nichts. Wir brauchen ja leistbaren Wohnraum aus unterschiedlichen Gründen.

Die lästigen Bäume hat man schon mal entfernt.

Dann sieht man sich das Vorgängermodell einmal an – ein Haus mit 3 Wohnungen. Aber halt mit Grün drum herum, so wie das so üblich war in der Umgebung. Da ist der Sprung auf 11 Wohnungen schon gewaltig. Das würde ich allzu gerne sehen, doch leider muss ich am Dienstag ja arbeiten wenn der Bauausschuss tagt. Dabei mache ich mir aber keine Illusionen, was die gefällige Gestaltung des Objekts betrifft. Ausserdem will die Stadt ja ohnehin die Nachverdichtung in dieser Gegend stärken. Das Briefing für den Architekten schreibt sich damit doch fast von selbst.

Als Referenz: so baute die Firma Scharl in Salzburghofen 12 Wohnungen.

Was mich vielmehr interessiert, ist wie man die Einfügung in die Umgebung argumentiert, denn der Neubau dürfte doch in Kubatur und Ausmassen die Nachbarschaft doch deutlich überflügeln. Doch man könnte das auch als Anfang einer Neugestaltung der Gegend sehen – schliesslich werden ja Eigenheime mit Garten mittlerweile fast schon verteufelt – zumeist von denen, die bereits ein Eigenheim mit Garten haben. Das ist dann auch im grösseren Kontext interessant – schliesslich hat ja vor einem halben Jahr der damalige Landrat seine Vision der Bebauung an der Matulusstraße präsentiert mit einem wuchtigen Wohnkomplex, der selbst die Bauten an der Münchner Straße in den Schatten stellen würde. Das würde sich ja auch nicht in die Umgebung einfügen… es sei denn, man weicht die kleinteilige Bebauung schon einmal im Vorfeld auf. 11 Wohnungen auf diesem Grund sind schon eine ganze Menge. Es wird spannend, wie sich die Stadt dazu äussert.

Aber was reg’ ich mich auf? Einfach durch den Mund atmen und gut ist. Vielleicht denkt der Bauausschuss ja ähnlich.

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