Die Sache mit der hohlen Gasse

Die Freilassinger sind ja im Grunde gut zu haben. „Leben und leben lassen“ trifft es hier gut. Wir nehmen es hin, wenn uns etwas passiert. Ja, wir meckern und schimpfen schon, aber das hält sich in Grenzen. Ich muss jetzt nicht die ganzen Unpässlichkeiten aufzählen, die uns nur in den letzten 10 Jahren heimgesucht haben. Wir beschweren uns über Fluglärm, Müllverbrennungsanlagen, Plünderungen von Krankenhäusern etc. aber so richtig bewegt hat das nichts. Wäre Freilassing das kleine Dorf in Gallien, hätten wir bestimmt schon Integrationsworkshops für Römer und Latein wäre die 2. Amtssprache. Den Zaubertrank hätten wir auf der anderen Seite der Grenze angesiedelt, weil da die Behörden netter sind.

Es ist ja alles irgendwie gut gegangen. Was reg’ ich mich also auf? Oder wie es der Bürgermeister sagt: „Aber manchmal muss man eben die persönliche Meinung zurückstellen, damit es weitergeht.“ Dabei ging es diesmal um den geplanten Neubau der db-Wohnbau in der Matulusstraße, das wohl so gar nicht in die Gegend passt, aber den neuen Bebauungsplan der Stadt bis auf den letzten Punkt ausnutzt. Und das kommt nicht einmal überraschend, denn dieser Bebauungsplan ist geradezu eine Einladung dazu. Ich hatte das vor 2 Jahren noch als „Lex Hollmann“ bezeichnet. Das war zu der Zeit, als Hollmann an Matulus19 bastelte, das jetzt noch nach Käufern und Mietern sucht.

Die Stadt hat die Aufgabe (neben vielen anderen), die Bürger und ihr Eigentum zu bewahren und zu schützen. Die Nachbarn des Bauprojekts können jetzt schon den Wert ihrer Immobilie herabstufen und das noch bevor die Arbeiten an der 8 Meter tiefen Tiefgarage begonnen haben. Wenn man in dieser Aufgabe versagt, dann muss man sich nicht wundern, wenn das Ansehen der Politik bei Betroffenen sinkt.

Nachbarhaus des neuen Bauprojekts

Letzten Oktober pries die Stadt den neuen Plan mit den Worten an „Hier wurde mit Maß und Ziel ein bebautes Gebiet betrachtet und trotzdem werden Entwicklungsmöglichkeiten geschaffen“. Das war sicher nicht einfach – ich habe auch die meisten der Einsprüche gelesen – aber im Sinne der unsäglichen Nachverdichtung zur Schaffung von Wohnraum hat man sich eben auf dieses Lex Hollmann geeinigt.

Friedrich Schiller lässt seinen Wilhelm Tell noch sagen „Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt“ und so ist es auch beim Bebauungsplan. Wir wissen, wie Tell das Problem gelöst hat. Bei der Stadt akzeptiert man das Dilemma und lädt die db-Wohnbau genauso zu weiteren Missetaten ein wie man erfolglos gegen Kaindl oder den Fluglärm kämpft. Noch keiner ist auf die Idee gekommen, den Plan nachzubessern, wie es die Gemeinden in Ebersberg oder Starnberg getan haben, um solche Situationen zu vermeiden. Manche werden wohl darin ein Sinnbild für andere Situationen in der Politik sehen. Vielleicht muss ich ja einfach meine „persönliche Meinung zurückstellen, damit es weitergeht“. Will ich denn, dass das so weitergeht?

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