So sind wir also mitten in der Adventszeit. Und weil wir uns nicht lumpen lassen, gibt es diesmal einen besonderen Adventskalender, dargestellt als Quartettkarten. Es geht also um eine Rangliste der 10 schönsten – oder unschönsten – Neubauten in der Schlafstadt Freilassing. Die Einschränkungen sind: es werden nur die Bauten der letzten 5-6 Jahre berücksichtigt, nur Mehrfamilienhäuser von sogenannten Investoren. Also keine Bauten der Stadt wie der neue Bauhof und auch keine Lebenshilfegebäude.
Es finden sich in der Liste alle üblichen Verdächtigen wie Aicher Max, Hollmann, Scharl, WBR aber auch die Kreativität der Architekten aus der Umgebung. Solch Gebäude wie der weiße Klotz Ecke Linden/Münchner Straße, das Richterhaus gegenüber dem alten Bauhof aber auch die Anlage am Jahnweg sowie die Rupertigärten oder Hillebrands Beitrag zur Zerstörung des Salzburghofener Orts-Charakters fallen also erst mal weg.

Wenn man so durch die Liste geht und sich noch einmal vor Ort ein Bild macht, dann denkt man auch automatisch an die Auftritte in Stadtrat und Bauausschuss. Wie oft haben wir hier von Leuchtturmprojekten und von Schandflecken gehört? Kein einziges der Leuchtturm-Obszönitäten wird als gutes Beispiel in die Geschichte eingehen. Man könnte doch eher den Leuchtturm als Schimpfwort benutzen in diesem Kontext. Gleiches bei den Schandflecken. Wenn nur noch einer so einen Unsinn brabbelt, dann sei ihm oder ihr hier gesagt, dass sie selbst der einzige Schandfleck sind, wenn es nur darum geht, irgendetwas schnell und billig zuzubetonieren. Ohne Inhalt und ohne Hirn. Ausnahmslos sind alle Orte, die so bezeichnet wurden wunderbare Gelegenheiten der Stadtentwicklung, ein Blankoscheck für etwas Besonderes. Tatsächlich sind nur ein paar Bauherren etwas reicher geworden, nicht aber die Stadt.

Den Anfang macht hier als Beispiel der Rieschen. Es läuft ausserhalb des Wettbewerbs, weil es eine Renovierung ist, und zwar eine gelungene und kein Neubau. Man hat sich bemüht, das historische Gebäude in die Gegenwart zu bringen, hat Bewährtes belassen und hat vorsichtig moderne Elemente eingeführt. Die Wohnungen sind nicht billig, aber anständig umgesetzt. Manches ist schon vorher veraltet gewesen – wie man gut an den Bädern erkennen kann, die gestalterisch noch an der Jahrhundertwende verharren.

Das Schlimme an der Sache ist der Gaststättenbetrieb. Nachdem man die Aussenfläche kastriert hat und auch keine Veranstaltungsräume hat, wird sich wohl kein Betreiber finden. Man könnte hier Absicht unterstellen. Auf jeden Fall ist es ein Verlust für den Ort – und es wird nicht der letzte Sein. Die zusätzliche Androhung der Stadt, genau dort eine völlig unnütze Ampel einrichten zu wollen ist ein weiteres Beispiel dafür, dass nicht die Orte die Schandflecken sind, sonder die (un)verantwortlich Handelnden. (Wir kommen in der Reihe der Rangliste hierauf noch einmal zurück.)