Die einen können’s kaum erwarten und die anderen sind froh, wenn’s vorbei ist. Die Hauptdarsteller richten nochmal die „guten Sachen“ her. Das sind bei den einen des Loden Jopperl oder Lederhosen und bei anderen das besondere Sakko, das Kleid oder auch nur der distinguierte Rollkragenpullover. Schnell noch zum Friseur, damit man auch anständig aussieht.

Ja. Natürlich geht es um die Wahl am nächsten Sonntag oder genauer um die Bürgermeisterkandidaten in der Stadt mit großen Plänen und einem Minderwertigkeitskomplex. Es geht um Freilassing.

Beim letzten Sommerfest waren wohl Tausende Besucher da. Soviel Stimmen brauchte man in etwa um letztes Mal Bürgermeister zu werden. 2950 hätten gereicht. Bei einer Wahlbeteiligung von 44,6% – und das war sogar eine Steigerung zur Wahl davor, die mit 39.8% zu Buche steht. Es scheint also mehr Leute nicht zu interessieren, als dass man sich den Stress mit den Kreuzchen antut. Und deshalb sind hier meine Gedanken zu den 4 Kandidaten.

Überraschenderweise sind Politiker auch Menschen – ein Kuriosum, das man gerne vergisst. Na ja, und Menschen „menscheln“ halt. Liebe Kandidaten, wir sind nicht dumm und wir wissen auch, was ihr so getan habt, das wohl keiner wissen sollte. Auch wenn ihr euch bemüht: wir schweigen und nicken still oder grinsen innerlich. Das gehört sich so. So, jetzt gehts los. In der umgekehrten Reihenfolge der Ankündigung ihrer Kandidatur. Und das Programm erwähne ich nur am Rande, da es mit kleinen Ausnahmen doch die gleiche Suppe ist.

Bettina Oestreich. Sie gilt wohl als einzige Kandidatin fast schon als Institution im Stadtrat und der Stadtpolitik. Keine Sitzung ist komplett, wenn sie nicht am Schluss noch eine Korrektur oder einen Kommentar anbringt. Eigentlich hätte sie ja 3. Bürgermeisterin werden sollen 2020 aber da hat man sich taktisch überrumpeln lassen.
Sie ist im Stadtrat wohl diejenige mit der meisten Erfahrung in der Wirtschaft und mit politischen Klüngeleien, die auch überregional damit einhergehen. Würde sie gewählt, hätte Freilassing eine der wichtigsten Aktivisten in der Stadtpolitik weniger. Kann sie Bürgermeister? Technisch und von der Kompetenz her sicher. Allerdings fehlt ihr das joviale oder kumpelhafte Element, das einige Mitbewerber mitbringen. Dennoch wäre es interessant, wie sie mit dem Verwaltungsapparat der Stadt zurecht kommt. Das wird sicher nicht langweilig.
Ein Nachteil ist sicher ihre Partei, die ein eher problematisches Jahr hatte – auch ohne Walter H. und natürlich das enge Verhältnis zum Aicher Max. Dabei ist sie aber nicht allein.

Ulrike Schweiger. Die zweite Frau in der Liste. Sie war letztes Jahr nicht im Stadtrat und ist auch nicht besonders durch Aktionen in der Stadtpolitik aufgefallen. Man sagt, sie sei eine herzliche Frau, die viel Erfahrung aus der Bundespolitik der Grünen mitbringt. Ihr Fachbereich im Personalmanagement (jaaa, ich weiss, dass das eine ungenügende Verkürzung ist) und professionelle Erfahrung würden ihr in der Verwaltung helfen, aber das heisst noch nicht, dass sie das auch gut leiten könnte. Solche Qualitäten würden dem Rathaus gut tun aber halt nur im Personalbereich.
Ihr Makel ist eher die Situation mit Markus Hiebl. Den hatte man bei der letzten Wahl als Messias gesehen, als einen, den man von der Partei vereinnahmen könnte. Offenbar das Schlimmste waren die Nichtumsetzung der Trinkbrunnen, wie man hört. Hmm. Schlimm. Sie scheint eher eine Notlösung zu sein, damit man im Wahlkampf den Bartl Wimmer gut unterstützen kann. Wer das Interview im Freilassinger Anzeiger liest, der erkennt wie sehr Freilassing eine Ulrike Schweiger als Bürgermeisterin braucht.

Walter Hasenknopf. Walter ist anders als die anderen. Ja, er ist offen, freundlich und kann gut mit den Leuten und kommt gut bei ihnen an – was er Längen besser macht als sein lokaler Parteichef. Fachlich kann er mit den anderen Kandidaten eigentlich nicht mithalten. Man könnte hoffen, dass er an seinen Aufgaben wachsen kann. Aber was muss ein Bürgermeister denn schon können? Schliesslich hat man ja Helfer.
Das Manko könnte seine Chance sein. Als Mitglied im Führungsteam der Freien Wähler hat er sich so gut durchgesetzt, dass er schließlich die Partei kurz vor der Wahl gewechselt hatte. Positiv: er hat sich als Person durchgesetzt. Negativ: er hat Wähler und Parteifreunde verraten oder zumindest vor den Kopf gestoßen. Zumindest ist er im Stadtrat nie so aufgefallen, dass man dort schon sein Potential erkannte. In dem Kontext muss ich am Schluss dann auch noch was zur CSU loswerden.

Markus Hiebl. Man sagt, er ist nur deswegen Bürgermeister geworden, weil er nicht der Flatscher ist und weil er sich vom Parteiengeplänkel ferngehalten hatte. Die Pläne und Ziele waren groß und das Vertrauen auch. Ich kann mich noch an die begeisterten Stadträte erinnern, die damals die Zusammenarbeit in höchsten Tönen lobten. Vieles von dem ist verpufft. Die Pläne eingedampft. Das Amt fordert seinen Tribut und das bringt nicht immer das Beste im Menschen heraus.
Viele hatten gehofft, dass er alte Verkrustungen in der Verwaltung aufbricht, die Flatscher ja für seine Zwecke so installiert hatte und die auch heute noch einen Großteil der Entscheidungen bestimmt, weshalb man auch manchmal von der „Bürgermeisterin“ spricht. Die Personalprobleme und das Finanzmanagement sind damit allgegenwärtig. Doch er hat Krisen gemeistert von Covid bis Asylanten undHollman und er hat mit dem Stadtrat und nicht über ihn geherrscht. Meistens zumindest.
Das waren sie, die 4 Glücksritter. (Eigentlich wollte ich Glücksbärchi schreiben, aber dann fühlte sich das doch irgendwie nicht richtig an.)

So, jetzt noch ein Nachtrag zu de Schwoazn. Für die Union hat der Wahlkampf ja schon letzten März begonnen, als man anfing, Themen, die bereits im Stadtrat besprochen wurden, über die Pressen nach aussen zu tragen. Damals mit dem alten Bauhof. Die Verachtung des Stadtrats ist offensichtlich bei allen Themen, die man gut vermarkten kann. Sie werfen natürlich dem aktuellen Bürgermeister vor, dass er nicht Flatscher ist, denn der hatte sich vor Investitionen so sehr gedrückt wie der Söder vor verlässlichen Aussagen. Dabei ist es ja diese Politik und die Amigowirtschaft mit Kern und Grabner, die einen signifikanten Teil unserer Probleme ausmachen und nicht jeder kann sich einfach ins Allgäu verdrücken.
Was beim CSU Orgasmus der Plakate und der Darstellung auffällt ist der Umfang. Im Vergleich haben diese den professionellsten aber auch aufwändigsten Wahlkampf geführt. Ein Banner ist mit 500 EUR veranschlagt? Da komm ich doch locker auf 30.000 EUR. Wie war das? Ich baue darauf, dass die Partei ihre Finanzierung laut Transparenzgesetz offen darlegt. Wir lernen ja auch aus Fehlern, oder?