Matulusgarten

Baukultur in Freilassing

Wer einmal lügt

Blick vom Seelenweg auf Freilassing

Das mit dem Charakter ist so eine Sache. Zum einen gestehen wir guten Charakter und schlechten Charakter vor allem Personen aber auch Dingen wie Häusern zu. Das Schlimmste was man wohl über Charakter sagen kann, ist wenn dieser nicht vorhanden ist. Wenn etwas belanglos, weder Fisch noch Fleisch ist, wie man so sagt. So etwas kann man nicht kaufen oder bei Amazon bestellen, es ist etwas, das sich über die Zeit entwickelt und in manchen Fällen über Generationen aufgebaut wird. Bei den Personen ist das die eine Sache, die, wie es der Name schon sagt, etwas persönliches ist. Jedoch bei Bauwerken ist es etwas öffentliches, etwas, das alle betrifft. Deshalb könnte man meinen, dass es wichtig ist, Charakter zu bewahren und charakteristische Gebäude zu erhalten und zu pflegen.

Die neue Seelenpiste

Nehmen wir doch einmal den Seelenweg in Freilassing. Der Anfang ist ein ca 600 Meter langer Feldweg, der schon seit vielen Jahrzehnten als Weg nach Eham und den Bauern zum Bestellen der umliegenden Felder benutzt wurde. Nichts Besonderes. Ein Feldweg eben. Feldwege sind manchmal dreckig, haben Pfützen und sind krumm und uneben. Jetzt hat sich die Stadt gedacht, man muss das mal herrichten. Es ist seit Wochen immer noch gesperrt. Man hat den Feldweg unter einer Kiestrasse begraben, geglättet und die Hälfte breiter gemacht. Es ist jetzt eine Seelenpiste.

Ein älteres Bild des Seelenwegs.
So geht das mit Sondergenehmigung der Stadt

Ein anderer Weg ist die historische Diagonale der Stadt von Jahnweg (weil da mal die Turnhalle war) bis zur Eichetstraße, die doch eigentlich ein Weg für Fussgänger und Radfahrer ist. Und genau an dieser Diagonale gibt es Lochfraß. Ein Stück nach dem anderen wird der Weg mit aufdringlichen Neubauten eingequetscht. Haben die Bauten der 60er Jahre dem Web noch Platz gelassen, wird heute beim Neubau an der Ecke Beethovenstraße der Fussgänger von einer hässlichen Betonwand der Tiefgarage gesäumt. Und genau dort, am Anfang der Eichetstraße will die Firma db Wohnbau zwei Wohnblöcke mit 1800 qm Wohnfläche hinstellen. Nimmt man die übliche Durchschnittsgröße von 85 qm, dann kommt man auf 21 Wohnungen. Dementsprechend bräuchte man die Stellplätze, Spielplatz etc. und müsste die Verkehrsbelastung einrechnen. Hollmann (Inhaber der db Wohnbau) gibt aber 16 Wohnungen an. Diese Firma ist kein Ersttäter sondern hat sich einen gewissen Charakter eingebrockt.

Die Gebäude werden bis zur Kante der Straße gebaut, 4-stöckig. Mit nur wenig Freiraum. Wenn die Stadt jetzt von einer zweiten Chance für den Bauträger spricht, dann ist das sehr naiv. Besonders wenn man sich die bisherigen Bauten der Firma ansieht. Nahezu überall wurde gelogen und betrogen, wenn man die Betroffenen hört. Ganz zu schweigen von den bisherigen Aktionen mit Flüchtlingscontainern etc. Ja, liebe Stadtverwaltung, man muss Verständnis mit Bauherren haben. Aber man muss nicht dumm sein. Wie war das?

Wenn du mich einmal reinlegst, muss du dich schämen. Wenn du mich zweimal reinlegst, dann muss ich mich schämen.

Schottisches Sprichwort, bekannt durch Star TreK (ja, wirklich)

Vielleicht sollte man Charakter zeigen und den öffentlichen Raum vor solchen Anschlägen bewahren.

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Thema von Anders Norén