Da wird einem manchmal schon ziemlich viel zugemutet zurzeit. Auch aus diesem Grund trinke ich gerade einen Earl Grey Tee – auch als Respekt.

Wer sich gestern früh auf den Weg gemacht hatte, um auf dem Wochenmarkt die frischen Waren zu sehen, um einzukaufen oder einfach nur um sich inspirieren zu lassen, der wurde beim ersten Schritt aus der Haustür geradezu überwältigt. Wieder einmal zog ein fürchterlicher Gestank durch die Stadt. Irgendwelche Abfallbetriebe in Salzburg machen’s möglich. Vielleicht war es auch nur ein Beitrag zum Halloween. Vor einiger Zeit noch wollte sich der Bürgermeister darum kümmern aber vermutlich ist das so wie mit den guten Vorsätzen zu Neujahr: Sie haben eine sehr kurze Halbwertszeit.
Aber auch in anderen Sachen hatte ich so das ein oder andere Deja Vu. Da wird doch glatt der Umbau der Münchner Straße nicht rechtzeitig fertig. Aber Ostern (!!) – wenn ich richtig gelesen habe – werden noch einige Kleinigkeiten erledigt und dann ist wirklich Schluss. Muss ja auch weil vorher schon die Hauptstraße ausgeweidet wird – im Sinne des Halloween also der Beitrag zum Dexter Reboot (nein, muss man nicht kennen.). Wer hätte denn das gedacht?
Genauso überrascht ist man dann, wenn man liest, dass es in Reichenhall doch keinen Klinikneubau geben wird. Wer hätte denn das gedacht? Vereinfacht gesagt, wurde aus dem großen Neubau zuerst ein kleinerer Neubau und jetzt eben eine erweiterte Sanierung des Bestands mit einem Intensiv-Zuckerl. Haben die Landkreise bisher 94 Mio für die Deckung der Defizite zugesagt, so gibt es jetzt 96 Mio für Investitionen. Dabei verschwindet das Defizit irgendwie. Ob die 80% Förderung des Neubaus durch den Freistaat bei der Renovierung ersetzt werden kann, ist ebenso noch offen. Harry P würde das „Evanesco“ nennen.

Was passiert jetzt also, wenn trotz aller vollmundigen Beschwörungen das Geld nicht reicht, wenn Bauprojekte teurer werden – Gott bewahr! – oder wenn doch noch Defizite anfallen? Dann ist die KSOB zur Triage gezwungen. Und wie das für Reichenhall ausgehen wird, kann ein jeder Freilassinger schon auswendig aufsagen, denn genauso wurde die Kreisklinik Freilassing letztendlich abgewickelt und Traunstein weiter ausgebaut.
Das ist beileibe kein Problem, das nur wir in unserer Gegend haben. Es ist das Ergebnis einer fehlerhaften Politik. Es ist dabei so wie bei einem Gebäude: Wenn man das nicht regelmäßig pflegt, instand setzt oder sich darum kümmert, dann hat man irgendwann einmal eine Bauruine wie das Personalwohnheim in Freilassing oder der alte Bauhof. Dann wird’s richtig teuer. So wie bei der kaputtgesparten Bahn oder auch beim Rentensystem um nur ein paar Beispiele zu nennen.


Eine Zeitlang dachten wir, dass Freilassing hier entgegenwirken kann. Ein medizinisches Versorgungszentrum und viele andere Träumereien wurden angepriesen. Nachdem der Investor aufgrund von Erfolglosigkeit seiner Planungen abgesprungen ist werden wir wohl noch lange auf eine echte Lösung warten müssen. Wer hätte denn das gedacht?
(PS. Ja, das mit dem Bauhof, das kommt noch. Geduld.)
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