Home, Sweet Home

Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Hitze fast unerträglich. Das Leben spielte sich draußen ab. Auf dem Spielplatz, bei der Eisdiele oder irgendwo anders unterwegs. Das ist erst einmal vorbei. Jetzt zeigt sich, wie man in seinen vier Wänden zurechtkommt. Ikea verkauft wieder mehr Duftkerzen und wer kann macht sich ein Feuerchen im Ofen. 

Es ist aber auch die Zeit, alles das was als Draußen gilt, aufzuräumen. Sei es der Garten, der Balkon oder wie bei der Stadt die Baustellen. Ab Montag soll auch die Münchner Straße asphaltiert werden. Wir unnützen Amateure, die wir keine Ahnung von der Komplexität einer Bauplanung oder der unermüdlichen Detailarbeit von Pflasterkünstlern wissen, werden sagen, dass es aber auch Zeit wird. Dann wird sich zeigen, wie sich die Planung in die Realität einfügt. Den vormals langweiligen Gehweg hat man wohl deshalb auch einige Rundungen erlaubt, um .. ja um … die Pflasterer zu ärgern? Nein. Man zieht das Grünzeug (früher Bäume) von der Straße ab, wo sie die Radfahrer und Fußgänger vom Verkehr getrennt haben. Die müssen jetzt selber sehen, wie sie zurechtkommen, und das ist auch in Ordnung so. Schließlich gibt es in der Gegend keine Kneipen mehr, von denen man auf dem Gehweg nach Hause torkeln könnte.

Der Ausbau ist aber noch nicht fertig, denn der Rest der Straße soll in den nächsten vier Wochen fertiggestellt werden. Aber für die Freunde von Aldi und Kaufland sowie für viele Autofahrer wird Aufatmen angesagt sein. 

Doch das nächste Projekt zur Selbstoptimierung der Stadt ist schon angekündigt: Der Umbau der Hauptstraße soll nächstes Jahr beginnen. Wie unzählige andere Gemeinden wird hier mit sehr viel Geld an Symptomen gebastelt, ohne die Ursache angehen zu können. Es wird – wieder einmal – eine schwere Zeit für die Geschäfte, die es dort noch gibt. Diese werden unsere Unterstützung benötigen, wenn sie das überleben sollen. Denn parallel dazu wird auch die erfolgreiche Einkaufsmeile der Freilassinger weiter ausgebaut: Der Europark wird erweitert. Und dann ist es wieder gut, wenn die Münchner Straße fertig ist, damit man schnell in Salzburg ist. (Mit dem Zug sind es ohnehin nur 7 Minuten. Aber auch die Zugreisenden müssen sich in den nächsten Jahren mit Umbauarbeiten arrangieren). 

Irgendwann einmal war Freilassing ein Erholungsort, eine Einkaufsstadt, ein Wirtschaftszentrum, eine Eisenbahnerstadt. Im Moment ist es eine Baustellenstadt und was danach kommt, wird sich erst noch zeigen. Eine Identitätskrise haben wir nicht. Entweder wir passen uns immer wieder an oder wir haben keine. Da ist es doch gut, wenn man sich am regnerischen Sonntag Nachmittag zuhause wohl fühlen und zumindest vorübergehend das Chaos von Draußen ignorieren kann. 

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