„Zeit werd’s“, denk’ ich mir, wenn ich am heutigen Kirchweihsonntag so die Bäume ansehe. Dieser Sommer hat sie alle gefordert und so ist es wieder einmal so, dass mit der Kirchweih auch der richtige Herbst anfängt. Über die Kirchweih kann ich nicht viel sagen, weil ich diesmal erst am Montag durch die Innenstadt schlendern werde. Es wird wohl wie immer ein Besuchermagnet und ein Erfolg für die Beteiligten sein. Kaufrausch in der Innenstadt – da werden einige sicher ganz wehmütig. Man hofft auf die Wiederbelebungsversuche der Hauptstraße. Da heißt es erst mal warten.


Warten können wir. Das haben wir gelernt. Dass die Erneuerung der Münchner Straße so lange dauert, hat ja nicht mit den fehlenden und oft zitierten Chinesen zu tun, sondern an der Geschwindigkeit, mit der manche Mühlen mahlen. Da muss man halt warten. So wie es dann im nächsten Jahr mit der Korridorsanierung und der Sperre der Bahnstrecke nach Rosenheim sein wird. Da wird Warten zur Tugend, denn viele behaupten, dass 70 Busse bei weitem nicht ausreichend sein werden und es auch auf den Straßen immer wieder Baustellen gibt. Zumindest gibt es einen Zug nach München, der – via Mühldorf – die Strecke in 1:38 schaffen soll.
Dann soll auch die Fußgängerzone aufgehübscht werden. Wer hier noch wartet, wird sich zeigen.
Wir warten an der Grenze. Wir warten auf die Wohnungen auf dem Freilassinger Feld. Als damals jemand das Projekt mit einem Elefanten verglich, dachte ich naiverweise, dass damit auf die Größe des Vorhabens angespielt wird und nicht auf die Langlebigkeit dieser Tiere. Dann warten wir auch noch auf den Ausbau der Bahnstrecke nach Mühldorf, der zwar geplant aber nicht finanziert ist. Irgendwie denke ich mir, dass das früher wohl Hexenmeister gewesen sein müssen, als die Bahnstrecken gebaut und gepflegt wurden.
Wir warten aber auch auf das regionale Gesundheitszentrum. So wie die Reichenhaller auf eine neue Klinik. Die könnten aus den Erfahrungen der Freilassinger lernen. Man würde sich wünschen, dass die Verwaltung genauso aktiv informiert wie beim Straßenbau, wo fast jede Woche eine Meldung – manchmal sogar mit Video – herausgegeben wird. So würde man gleich wissen, wie der Stand bei dem Bauturbo ist, wie die Wärmeplanung sein soll, wann die Montagehalle umgebaut wird und so weiter.

Das liegt nicht an Freilassing. Das ist überall so. Sogar die Schulbauten gingen relativ schnell – auch wenn die Grundschule mit Umfeld ja erst 2030 ganz fertig sein soll. Wir haben gelernt, wenn etwas von der Politik schnell geht, dann wird es für uns teuer oder schlechter oder beides. Private Projekte sind da eher schmerzbefreit. So sind hunderte von Wohnungen geschaffen worden, die eine Sozialraumanalyse nur vom Hörensagen kennen, abenteuerliche Renditen für die Kapitalanleger versprechen und damit die Stadt voller aber nicht besser machen. So wie auch die Bahn nach der Sanierung nicht besser werden soll – nur voller und zumindest schon für ETCS „vorbereitet“ – Tja, Busunternehmer müsste man sein. So einer mit den richtigen Beziehungen. Warten wir’s ab.
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