Um es vorweg zu sagen: Unsere Familie hat eine lange und komplizierte Vergangenheit mit der Eisenbahn über die letzten 100 Jahre hinaus. Der Vater war Lokführer und deshalb waren Begriffe wie BW, der Schichtplan genau so vertraut wie Fahrten auf der Lok oder auch die nächtlichen Geräusche des Rangierbetriebs in Freilassing. Auch meine Kinder haben damals noch in Windeln den Führerstand unsicher gemacht. Aber in der Münchner Verwaltung haben wir bei den Beamten der Planung immer mal wieder für Abwechslung gesorgt.

Ja. Freilassing ist Eisenbahnerstadt und das nicht nur wegen der Bahnmitarbeiter und den Geschichten darüber. Als die Bahn nach Freilassing kam, öffnete sich dadurch eine Vielzahl von Möglichkeiten für Industrie und Gewerbe. Viele der Betriebe, die auch heute noch die Stadt prägen, gehen darauf zurück. Heute würde man sagen „Infrastruktur“.

Doch auch baulich wurden Maßstäbe gesetzt: Die Bahn fühlte sich auch für den Bau von Wohnungen verantwortlich, die vor allem im Norden der Bahn erbaut wurden. Ursprünglich war der Süden für’s gehobene Wohnen und der Norden eher für Arbeiten und Kommerz zuständig. Damals führte die Straße nach Salzburg auch noch an der Bahnlinie entlang. Das alles ist Geschichte.

So sehr die Bahn auch maßgeblich die ersten Bauimpulse setzte, so enttäuschend war dann auch der stufenweise Rückzug in den 80ern. Vieles wurde einfach aufgelassen oder dem Verfall preisgegeben. Das bauliche Vakuum konnte bis heute keiner wirklich ausfüllen. Umso bemerkenswerter ist die Lokwelt, die sowohl das Thema als auch alte Gebäude mit neuem Leben füllt. Da schmerzte es beim Lokaltermin letzte Woche umso mehr die Montagehalle zu sehen, die das Potential für große Veranstaltungen hat, aber immer noch nicht finanziert werden kann. Es ist ein Jammer – genauso wie die anderen Gebäude auf dem BW-Gelände um die Lokwelt herum. Man lässt die Sachen so lange verfallen, bis wieder ein Politiker kommt, der meint, man müsse diesen Schandfleck doch beseitigen.



Die neue DB hat uns viel versprochen, aber wenig gehalten. Streckenausbau: werden wir alle nicht mehr erleben. Moderner Bahnhof: Das Minimum ist gebaut, aber richtig stolz kann man auf den Bahnhof nicht sein, wenn man sich auf dem Bahnhofsvorplatz umsieht. Den brauchen Bahnreisende dann im nächsten Jahr, wenn die Zugverbindung nach München für ein halbes Jahr gesperrt wird wegen der Korridorsanierung. Denn dann ist hier der Schienenersatzverkehr.


Die Bahn könnte so schön sein. 90 Minuten nach München, in zwei Stunden am MUC und viele andere Phantasien mehr. Warum hat sich also der Herr Bernreitern ins Goldene Buch der Stadt eingetragen? Wegen der Leistungen kann es nicht sein. Nein, ich bin nicht undankbar. Ich bin enttäuscht über falsche Versprechungen und die Kurzsichtigkeit der Amtsträger und damit meine ich nicht nur den Verkehrsminister. Regierende aller Ebenen sollen ein Vorbild sein? Wir machen Projekte nur dann, wenn es dazu Förderungen gibt und nicht dann, wenn Not am Mann ist? Die Mentalität ist nicht umsonst. Sie ist schädlich und schlecht.
Hinweis: Ja. Ich bin Romantiker.
Antworten