Letztens war ich mal wieder in unserer Landeshauptstadt. Dort hab ich auch einmal gewohnt. Das ist aber schon lange her. Was mir gleich wieder aufgefallen ist, sind die Zeitungsständer zur Selbstbedienung, die gefühlt an jeder zweiten Ecke stehen. Dort werden dem Passanten immer die wichtigsten Schlagzeilen entgegengeworfen, genauso wie auch die neuesten Gerüchte um Promis, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt, sowie Sport und auch immer eine Prise Weltuntergang. Über die Jahrzehnte ändern sich die speziellen Inhalte aber die Themen bleiben immer gleich. So ist man immer informiert und hat bei Friseur oder Bäcker gleich einen Anknüpfungspunkt für ein Gespräch. Man nimmt es wahr aber auch nicht zu ernst. Man gewöhnt sich daran.
In einer Kleinstadt wir Freilassing – und sei sie auch noch so ambitioniert – findet das nicht statt. Der Wille ist wohl da, nicht aber die Substanz. Promis machen sich rar und in den sozialen Medien gibt es Katzen, Wohnungssuche, Flohmärkte, Nachbarschaftshilfe und die ewig Gestrigen.
Da wundert es nicht, wenn die Lokalzeitung schon fast deckungsgleich mit dem Stadt-Journal ist – oder zu sein scheint. Immerhin ist es die einzige Plattform, auf der man auch persönliche und politische Meinungen via Leserbrief zum Besten geben kann.

Da findet man dann doch dankenswerterweise noch Themen, die zumindest einen Beitrag wert sind. Man diskutiert über ein neues Fahrzeug für den Bauhof, weil das doch so teuer ist. Da kann fast jeder mitreden. Ich kenne da einen 4-jährigen, der mir genau erklären kann, was man braucht, welche Ausstattung benötigt wird und wieso und warum. Wirtschaftlich gesehen ist das ein ganz normaler Vorgang, dass alte Geräte irgendwann einmal durch neue ersetzt werden. Und: die werden auch nicht billiger, wenn man wartet. Vielleicht spart der Bauhof deswegen jetzt an den Flaggen vor dem Gebäude?
Bei der neuen Rathaustheke damals für 300.000 wurde nicht so viel diskutiert.

Und dann passiert es doch tatsächlich, dass bei den Schulbauten mit insgesamt 38 Mio ein Gewerk um 50 oder 70.000 teurer wird. Wie hätten das die Parteien noch vor ein paar Monaten im Wahlkampf zerrissen. Die Zeit der Eier ist vorbei. Genausowenig wie man über die übergriffige und fragwürdige Gestaltung spricht. Denn beim Geld funktioniert das Hirn halt ganz anders. Da gehts ums Prinzip. Jeder will ein Sparfuchs sein.


Währenddessen ist das Laufgitter beim Fußgängerweg zum Badylon verschwunden und im Birkenweg quetscht man den letzten Baum schon in seine neue Einfassung. Das ist also nichts, mit dem man eine Titelseite verkaufen könnte. Aber für den Friseur und Bäcker reicht’s.
Absolut treffend dieser Artikel! Leider! Die Politik, im Großen wie im Kleinen, nur noch ein Kopfschütteln wert. Die Bürger haben nirgendwo ein Recht, mitzureden…..