Der Baum als Schutzsuchender

Es ist ein Traumwetter um heute Ostereier zu suchen oder einfach Spazieren zu gehen. Alles was kann beginnt auszutreiben und es grünt und blüht. So hat uns ja auch die Stadt ein Osterei gelegt, indem man zur Neugestaltung des Birkenwegs die zwei Bäume gefällt hat, die den ersten Schwung an Fällungen irrtümlicherweise überstanden haben. Sicher, da wird einiges nachgepflanzt und – schwupps – in 30 Jahren sieht das alles wieder hübsch aus. Allgemein ist ja im letzten Winter viel Holz gemacht worden.

Warum nur sind mir Bäume so wichtig? Zum Einen gibt es da immer persönliche Beziehungen. Zum Beispiel der Baum, an dem ich mir als Kind den Arm gebrochen habe. Bäume, die immer schon als Schutz vor der Sommersonne dienten oder solche bei denen man im Herbst Kastanien oder Nüsse sammeln konnte. Bäume, auf denen wir Baumkraxeln gelernt haben. Wem dieses Konzept nicht vertraut ist, der soll bitte seine Eltern fragen. Den Klimakrams lass ich hier mal weg, der Kürze wegen. 

Diese Bäume mussten jetzt auch weg.

Dann dienen Bäume ja auch der Gestaltung. Die richtige Grüngestaltung kann einen Ort, eine Bebauung angenehmer machen und das Gesamtbild heben. Auch ist mittlerweile erwiesen, dass uns Bäume gut tun. Dann ist es noch ein Fakt, dass Bäume gut geeignet sind, architektonische Missgeschicke zu verdecken oder zumindest davon abzulenken. All das ist in den letzten Jahren in Freilassing deutlich zu kurz gekommen, obwohl gerade beim letzten Punkt einiges zu tun wäre. 

Das war nicht immer so. In der Vergangenheit liess man sich nicht lumpen und hatte Bäume und Spaliere an vielen Orten. Die Straße vom Bahnhof zur Unterführung war gesäumt von Bäumen, mit Bänken, auf denen man gerne Pause machte. Heute ist dort Ödland. Auch die Bäume der Hauptstraße sind nicht so neu. Dort gab es schon früher viel Grün, das dann im Zuge der „Einkaufsstadt“ weichen musste, bevor man wieder was pflanzte. Es gab Bäume auf dem Kirchplatz und eine Allee in der Bräuhausstraße. 

Damals war Freilassing Erholungsort. Man wollte, dass die Menschen unter den Bäumen schlendern konnten vom Bräuhaus zum Berglandkino und dann durch den Birkenweg, gesäumt von lockeren Birken bis hin zum kunstvoll gestaltetem Georg-Wrede Park, gelegen zwischen alten Villen und der Schule. All das ist Geschichte. Freilassing ist vom Erholungsort zuerst zur Einkaufsstadt und mittlerweile zu einem, ich weiss ja nicht, Mutanten oder Zombie geworden. Man findet sich wohl noch. Oder man verliert sich. Mit den Bäumen verschwindet der Charakter. Flanieren will keiner mehr. Da könnte man meinen, daß man die wenigen Schätze, die man hat auch hegt und pflegt. Wir werden sehen, was mit der Linde im alten Bauhof passiert und welche bauliche Grausamkeiten noch kommen ohne dass ein Baum die Scham bedeckt. (Kreuzeder Straße?)

So ist auch das Bildchen vom Freilassinger Anzeiger etwas aus der Zeit gefallen, das den mageren Freilassinger Teil kennzeichnet. Die Bäume gibt es schon lange nicht mehr. Aber die Erinnerung bleibt.

Schon vor einiger Zeit hatte ja die letzte Ulme den Kampf gegen Bauwut verloren. Ob sie noch nachwächst wird man sehen. Interessanterweise ist im Zuge der Bauarbeiten auch ein weiterer Baum entfernt worden, obwohl der ja auch erhaltenswert gewesen wäre. Grund: Man hat sich in der Planung geirrt. So wie man aus Versehen den Seelenweg vom Krankenhaus in eine Geröllhalde verschlimmbessert hat. „Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum“ lernt man im ersten Semester BWL. So lernt man auch vom Bürgermeister, der noch vieles in der Planung hat. Vielleicht sollte man da doch mal genauer draufschauen bevor die Planung zur Drohung wird. 

Nachtrag zum Geröllweg/Seelenweg:

4 Kommentare

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