Für manche ist der Frühling die Jahreszeit, in der man das ein oder andere ändert. Da werden Gärten neu gemacht, Zimmer renoviert, Klamotten ausgemistet oder auch nur eine neue Frisur ausprobiert. Alles neu macht der Mai. Je nach Naturell sind dabei die Ansätze und Methoden unterschiedlich. Das reicht von denen, die glauben, alles Neue muss auch besser sein, bis hin zu denen, die lange und lange überlegen, ob es denn Sinn macht, ob man sich wirklich von den alten Sachen trennen soll und man ja nicht wisse, ob man mit dem Neuen so glücklich wird.
Dazu gibt es im Internet natürlich die verschiedensten Methoden und Gurus, die einen unterstützen. Ob man jetzt Berserker gleich den Ist-Bestand umkrempelt, oder ob man vorsichtig, mit Planung und Listen, einen Übergang schafft. Und selbstverständlich gibt es auch solche, die nichts machen, die mit dem Bestand und dem Status Quo zufrieden sind. Wie dem auch sei: Jeder muss mit seinen Entscheidungen leben. Und seine Mitmenschen auch.
So ähnlich hat das auch der Freilassinger Bürgermeister angekündigt. Keine Angst, hier ist von keiner neuen Frisur die Rede, sondern von den Projekten, die man sich mit neuem Stadtrat vorgenommen hat. Dazu habe ich mir einmal 4 genehmigte und geplante Wohnbauprojekte angesehen. Nein, die FuZo lassen wir raus – da hat man sich ja schon vor einiger Zeit auf eine Brustvergrößerung entschieden, damit auch noch mehr Kunden kommen.
Ich frage mich also hier, was bekommen wir, was geben wir auf und was bedeutet es für die Umgebung und die Stadt. Weil Wohnraum knapp ist hat man hier sozusagen Narrenfreiheit. Egal ob das denjenigen, die Wohnraum benötigen auch wirklich was bringt.

Fangen wir in der Laufener Straße 73a an. Hier soll hinter den Neubauten mit der Farbe von Kinderschokolade noch einmal etwas ähnliches entstehen und zwar an der Stelle an der bis dato der Miedaner war. Das wird gerade abgewickelt. 30 Wohnungen sollen hier entstehen. Eigentumswohnungen wie man hört. „Modern – Zentral – Lebenswert“ ist der Slogan. Die Stadt hat bereits abgenickt – im Sinne der Nachverdichtung. Es wird wohl etwas für den betuchten Käufer sein.

Was gibt man auf? Einen Steinmetz, der ohnehin nicht mehr tätig war. Es ist der vorläufige Schlussstrich unter die Umgestaltung Salzburghofens, dem schon die FINA bei den vorderen Wohnblöcken den Todesstoß versetzt hatte. Die Laufener Straße entwickelt sich vom historischen Kern der Stadt zur dicht bebauten Randzone. Man verdrängt mehr und mehr Gewerbe und Handwerk, die mit den astronomischen Summen der Immobilienentwickler nicht mehr mithalten können und ersetzt es mit Wohnbau für diejenigen, die sich Salzburg nicht mehr leisten können/wollen.
Die Einfamilienhäuser sind ja bereits von den Neubauten um sie herum geplagt und bekommen jetzt noch mehr betonierte Schattenspender.


Weiter geht es mit dem alten Bauhof. Ein Gebäude mit Geschichte und ohne Pflege. Die Stadt hat hier Substanz und Umfeld gedankenlos verkommen lassen und nun muss natürlich was Neues her. Ein Architekt hat einmal eine Diskussionsgrundlage vorgelegt, aber von der Stadt gab es noch kein Feedback. Sollte es tatsächlich bezahlbarer Wohnraum mit ortsüblicher Gestaltung werden? Man ist immer wieder überrascht, mit wie wenig wir uns mittlerweile zufrieden geben. Schliesslich wurde die Umgebung schon in schlimmster Weise gestalterisch malträtiert mit diversen unpassenden Neubauten.

Was gibt man auf? Geschichte. In einer Stadt, in der historische Gebäude Mangelware sind, hat man das Verantwortungsgefühl für die Vergangenheit einfach abgeschafft. Auch hier wird einmal mehr im Sinne der Nachverdichtung aus dem Mischgewerbe verdichteter Wohnraum. Salzburghofen soll’s richten wenn der Rest versagt. Unsere Geschichte besteht aus Lederhosen und Maiwiesn.


Wir arbeiten uns nach Süden weiter und bleiben an der Laufener Straße. Neben Grundschule und Wrede Park (der mit den Laufgittern für die Schüler!) soll die alte Sörgelvilla weichen. Eine Münchner Firma lässt das alte Ding grad verrotten und will viele neue Wohnungen hinstellen. Mietwohnungen, wie man hört, in gehobener Ausstattung. Von der Gestaltung her gibt man sich nichts: irgendwie sehen alle Pläne für die Neubauten gleich aus. Kein Stil, kein Charakter, aber dafür leicht zu genehmigen und investorenfreundlich.

Wir bekommen also hochwertige Mietwohnungen. Hmm. Eigentlich wollten wir doch… Ach was. Dafür geben wir ein historisches Gebäude auf und wir lassen es zu, dass die Orte der Stadt, die noch etwas Stil hatten, mit 0815 Einheitsbrei versifft werden. Nachverdichtung in Perfektion. Keiner in Freilassing gewinnt.


Schliesslich sind wir am Anfang der Laufener Straße. Am Salzburger Platz erneuert die Sparkasse nicht nur das alte Gebäude sondern frischt auch damit ihren Ruf als architektonischer Querschläger auf. Im Bericht der Innenstadtgestaltung wurde die alte Sparkasse als „ortsfremde Architektur“ dargestellt. Bei der Sparkasse dachte man sich und meinte: das können wir doch schlechter und baute vor ein paar Jahren anstelle des Nebengebäudes (mit Dollinger damals) eine Ausgeburt an Augenkrebs hin. Jetzt will man es besser machen, beschwört die Projektleiterin dem Stadtrat. Und tatsächlich ist man im Stadtrat mit allem zufrieden, was nicht ganz so hässlich wie der Nebenbau wird.


Es soll wohl vermietet werden. Nicht billig aber eben vermietet. Was gibt man auf? Eine 80er Jahre Klamotte für eine 2000ender Klamotte. Nichts Ortsbildprägendes aber auch nicht ganz so schlimm. Man hatte ja bereits vor einigen Jahrzehnten das alte Rathaus im Gründerstil abgegeben, damit die Sparkasse dort bauen kann und sich die Stadt ihr Freibad bauen darf, sagt man so.
Wir geben in all diesen Projekten viel auf, vergessen unsere Aufgabe als Verwalter der Geschichte. Nachverdichtung macht’s möglich. Durch hochwertige Neubauten wird die Miete allgemein teurer und das Problem mit bezahlbarem Wohnraum entwickelt sich zum Perpetuum Mobile.
Die Deutschen Politiker sind nur am kriechen…. Ukrainekrieg ist finanziell UNSER Krieg, Salzburger Wohnungsnot ist UNSERE Sache, wir bauen für sie……beschämend! Wo bleiben unsere Leute?????