Man sagt ja, dass der Mensch so eine Art Erfolgsmodell ist. Zumindest sagen das die Menschen, was wohl andere als Interessenkonflikt verstehen könnten. Weil diese Anderen sich dazu nicht äussern, steht also die Erkenntnis, dass der Mensch wegen seiner Anpassungsfähigkeit den ganzen Planeten besiedelt hat. Manche sagen auch gerne „erobert“. Wir sind halt offenbar so ähnlich wie ein Virus, der sich durch Mutationen der Umwelt anpasst.
Und genau die Unangepassten sind es aber, die diesen Prozess erst möglich machen. Solche, die sich nicht dem Status Quo anpassen wollen und letztendlich damit die Gesellschaft weiterentwickeln. Solche, die sagen, es ginge auch anders. Doch das nur am Rande.
Ähnliches geschieht mit Städten. Städte passen sich an, ohne sich weiterzuentwickeln. Da müssen Charakter und Geschichte der Gemeinde das Nachsehen haben. Da hilft auch kein Zetern und Schreien und auch kein Marketing: der angepasste Durchschnitt hat immer Recht. Auch wenn man in München Altschwabing wegen seines dörflichen Charakters anpreist. Es stimmt nicht.

So müssen also alle das gemeinsame Niveau akzeptieren. Wie in Freilassing. Die Stadtplanung will nicht Rücksicht nehmen, sondern wachsen. Sie will den alten Charakter mit Durchschnitt ersetzen. Doch es gibt eine Gegend in der Stadt, die so sein kann wie sie ist. Da wird nicht auf Teufel-komm-raus nachverdichtet. Es ist das Industriegebiet. Von Kiefel bis zum Wiberg hinter wird gebaut, wie man es braucht. Da muss niemand so tun, als wäre etwas anderes. Und das funktioniert. Nicht städtebaulich aber wirtschaftlich. Das hat man auch an der Sägewerkstraße für sich entdeckt und weitet es ohne Rücksicht auf Verluste auch auf Eham aus. Funktionsgebäude sind ja anscheinend frei von irgendwelcher gestalterischen Kritik wie man gut am Bauhof sehen kann. Hauptsache es funktioniert.





Leider greift das mittlerweile auch auf andere Bereiche über. Der Zweck heiligt die Mittel und fördert die Eintönigkeit. Ein Wohnbauprojekt wie das Sonnenfeld ist dabei zuerst ein Funktionsbau für Wohnimmobilien und nicht ein Ort zum Leben. Eine Innenstadt funktioniert nur, wenn dort eingekauft wird und nicht, wenn man dort gut leben kann. Es ist nicht als sozialer Knotenpunkt sondern nur als wirtschaftliches Funktionskonstrukt gedacht.

Die Unangepassten Bereiche und Orte werden nicht als Chance gesehen, sondern als emotionaler Blinddarm, den man besser entfernt, bevor sich da noch was entwickelt. Wenn jeder Bauer zum Immobilientandler wird und alle Handwerker im Lager von Wiberg schuften oder nach Salzburg in die Arbeit fahren, dann wird keiner mehr wissen, wo wir herkommen und noch weniger wo wir hingehen. Ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft.

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