Heute früh, da hab ich es gemerkt. Die Vögel singen wieder. Es scheint so, als würde der Winter so langsam zu Ende gehen. So gehe ich also am Morgen durch die Stadt, die noch im Nebel der Unschuld vor sich hinschlummert, höre den „happiest Song“ obwohl kein blauer Himmel zu sehen ist (das ist ein kleines Rätsel, aber der Hinweis ist schon so offensichtlich).

Was einem beim Gang durch die Straßen auffällt, ist nicht nur das alljährliche „wir müssen noch schnell die Bäume fällen“ sondern in diesem Jahr die Dekoration aller möglicher Objekte mit Wahlplakaten. Es ist ja nicht so, dass wir einen Mangel an Schildern in der Stadt hätten. Weissgott nicht. Besonders sticht einem dabei die CSU ins Auge, deren allgegenwärtige Penetranz der Schilder schon fast an die Aktionen der GigaNetz vor einigen Jahren erinnert, und wie das ausgegangen ist, wissen wir ja alle. Ich glaub’ ja nicht, dass dies ein böses Omen ist, aber nach dem, was sich die Union im Landkreis über die letzten Jahre geleistet hat, muss man dieses Jahr schon sehr viel übertünchen.


Dazu legt man sich gewaltig ins Zeug und versucht noch die abstrusesten Aktionen und Forderungen zu platzieren. Eines ist klar: man hat zwar keinen Plan für Freilassing aber man hat ein schon fast dekadentes Wahlkampfbudget, das noch geschickt aufgeblasen wird. Schließlich zahlen wir für die Kern’schen Bebauungsideen, oder den Idiotenzaun beim Lobmayrplatz. Ob ich übertreibe? Sonst schon mal, aber hier gerade nicht. Warum schafft man sich denn einen eigenen Ableger, der doch nur eine Untergruppe der CSU ist? Was kommt als Nächstes? Frauenunion, Arbeiterunion, Silverback Union…?
Aber darum soll es ja heute gar nicht gehen, sondern darum dass für einige Parteien – nicht nur die CSU, auch die Grünen pokern so – die Wahl des Bürgermeisters nur eine Randnotiz ist. Es geht um die Mehrheiten im Stadtrat und vor allem im Landkreis. Denn wenn wir Eines in den letzten Jahre gelernt haben, ist es die Ignoranz und Gutsherrenart des Landkreises in Person des Landrats Kern, die bestimmen will, wie die Stadt Freilassing Politik zu machen hat. Erpressungen, abstruse Entscheidungen der Behörden, verweigerte Hilfestellung gehören da genauso dazu wie unverhohlene Drohungen, besonders gegen eine so aufmüpfige Stadt wie Freilassing.
Nicht dass ich die anderen Parteien unterschlagen will. Die kommen schon noch, keine Angst. Aber bei der CSU läuft einfach so viel wie in einem schlechten Roman und noch dazu völlig offen. Das ist das Selbstverständnis einer Partei mit Alleinherrschaftsanspruch. So sieht man bei den Personalien das Peter-Prinzip wie im Lehrbuch umgesetzt. Das Prinzip besagt „In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.“ Darum schickt man den Rasp als Landratskandidat ins Rennen, deshalb siedelt der Kern ins schwäbische Grenzland (ja man hört, dass ihm noch 7 Monate fehlen, um die Rentenberechtigung zu bekommen. Aber das sind bestimmt nur böse Menschen, die so etwas kolportieren, denn er macht das ja weil es ihm Spaß macht, sagt er.) Und genau deswegen schickt man den Hasi ins Rennen für den Bürgermeisterposten, denn für die Union ist er Marketing und nicht unverzichtbar.
Das wurde besonders deutlich in der Veranstaltung mit dem Landesvater in der Lokwelt. Der hat von den regionalen Problemen und Notwendigkeiten absolut keine Ahnung. Er schaut wia a Schwaibal wann’s blitzt wenn man ihm von dem Thema Fluglärm erzählt. Denn für ihn ist das alles belanglos, so lange die Partei die Mehrheit hat. Und die erfahrenen Parteigänger wissen das auch. Auch wenn der Söder einen Personenkult pflegt, der höchstens noch von den Habeckisten in der Sonneblumenpartei erreicht werden kann: Die Mehrheit der Partei ist das Ziel und dem muß sich sogar die Politik, die Logik und der Anstand unterordnen.

So überrascht es nicht, wenn Söder im Nachgang die Vetternwirtschaft offen verspricht. Er meint, wenn die CSU im Landkreis regiert, dann gibts auch Förderungen und so. Man hilft seinesgleichen. Denn schließlich kontrolliert der Kreis die Gemeinden und damit wäre alles wieder in bester Ordnung. Da interessiert der Bürgermeister nur am Rande. Ist das die Klarheit, die Rasp verspricht?