
Vielleicht kennt ja noch jemand den alten Hertie am Münchner Hauptbahnhof, mit den Käfer Markthallen und dem Hauch des Luxus in der Weltstadt mit Herz. Über eben dieses Kaufhaus war in den ersten juristischen Vorlesungen immer ein dankbares Thema. Während des Baus der S-Bahn vor den olympischen Spielen war der Zugang zum Hertie äußerst beschwerlich, weshalb das Kaufhaus auf Schadensersatz klagte. Es war nicht erfolgreich, denn es wurde argumentiert, dass das Kaufhaus durch die Bereitstellung der S-Bahn ja selbst profitieren würde und es somit zumutbar sei, die kurzzeitige Einschränkung zu ertragen. Und tatsächlich profitierte das Kaufhaus damals enorm von der S-Bahn und später von der U-Bahn.
Freilassing ist jetzt sicherlich keine Weltstadt mit Herz – die Slogans wechseln alle 10 Jahre – aber auch hier müssen Geschäfte und Gastronomie mit den Widrigkeiten des Umbaus leben. Oder eben auch nicht. Denn nicht jeder Umbau führt zu einer Verbesserung der Situation. Das hat Methode, denn jede Gemeinde will gerne in den Genuss von Förderungen kommen, um sich das leisten zu können, was man nicht wirklich braucht aber es gerne nimmt, wenn es denn gut und billig ist. Genau deswegen hat man ja damals das ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept) gemacht und nicht weil man die Bürgerbeteiligung stärken wollte.
So sind viele der großen Projekte erst einmal hochstilisierte und überteuerte Renovierungsarbeiten. Wir haben die Reichenhaller Straße erneuert, den östlichen Teil der Münchner Straße, den Lobmayr Parkplatz, jetzt gerade die westliche Münchner Straße und in Kombination mit Corona und mit der etablierten Grenzkontrolle war dies zwar nicht die alleinige Ursache aber doch genau der Sargnagel, der das Aus von Geschäften beschloss.



Weil damit noch nicht genug ist will man im nächsten Jahr die Hauptstraße für richtig viel Geld umgestalten. Weil.. ja nicht, weil dadurch die Geschäfte besser laufen, sondern – man wird es sich schon denken – weil es dafür Förderung gibt. Ein geschenkter „Lippenstift“ wenn man so will. Die Gestaltung selbst ist nach meinem Empfinden ein gestalterisches Desaster – aber über Geschmack lässt sich streiten oder man kann daran verzweifeln. Die Stadt hat hier schon immer ein sicheres Händchen in der gestalterischen Abwertung des Stadtbildes bewiesen. Darauf kann man vertrauen.

Durch den Umbau profitiert kein Geschäft. Vielleicht werden 10 das Projekt überleben, werden sich neue Nagelstudios oder Automatenläden finden. Wir werden es sehen und es wird keiner klagen.
Damit noch nicht genug. Jetzt überlegt die Stadt ernsthaft, ob man Lindenstraße und Bräuhausstraße in Fahrradstraßen umgestalten soll. Wegen der Schulkinder und vor allem, weil das der einen Partei beim letzten Wahlkampf eingefallen war. Vielleicht gibt’s ja irgendwo eine Förderung. Der Radverkehr und der Verkehr im Schulumfeld ist ein ganz, ganz anderes Thema, denn der meiste Verkehr entsteht ja durch die Elterntaxis und überbehütete Kinder. Da helfen auch eine Ampeln so wie die Anlage an Schul- und Bräuhausstraße, das nur an 2-3 Stunden am Tag hilfreich aber ansonsten eine Ampel mit destruktiver Persönlichkeitsstörung ist.
Das Thema schlechthin, das beim Wahlkampf immer und immer wieder auftaucht, ist die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum. Da macht man doch lieber eine Fahrradstraße, oder man pflanzt ein paar invasive Baumarten, damit man nicht über dieses Thema sprechen muss. Es werden gerade über 50 Häuser und Eigentumswohnungen in Freilassing angeboten und ca. 4-5 Mietwohnungen. Also, lasst uns doch dann doch lieber über den Fahrradstreifen auf der Laufener Straße sprechen. Hertie ist ja sowieso pleite. Völlig ohne Zutun von S-Bahn und Co. Aber dort gibt es jetzt neue Abstellmöglichkeiten für Räder, wie ich gehört habe.
Die Regierung lebt es im großen vor, Finanzierung von Fahrradwegen in Peru…, die Kleinen machen es nach: Vergeudung von Steuergeldern für idiotische Projekte, aber nichts, was dem Bürger hilft oder dient! Zum …..