Das Wetter ist ja fast zu schön, um an die heutige Wahl zu denken. Irgendwie fehlt ja auch so ein wenig die Motivation. Wenn man das liest ist die Wahl schon gelaufen und wir werde damit klarkommen müssen. Wir werden dann wohl jemand neues haben, dem wir die Schuld zuweisen können auch wenn die Lokalpolitik nur am unteren Ende des politischen Verdauungstrakts liegt.

Also erst mal Schluss mit Politikern. Davon haben wir offenbar genug. Es wird sich um alles gekümmert, geregelt und betreut. Und das wird bestimmt noch mehr, denn der politische Wurm ist ein Nimmersatt. All das läßt immer weniger Raum für das Besondere und das Verrückte, das Freilassing einst groß gemacht hatte. Wir leben heute von dieser Substanz.

Was uns so ein wenig fehlt ,sind die Spinner, die Risikoträger und die Originale. Solche Leute haben im letzten Jahrhundert den Grundstein für Vieles in Freilassing gelegt. Nein, das waren nicht immer perfekte Menschen. Manche hatten so ihre Geschichten und Eigenheiten. Und sie waren nicht angenehm und angepasst.

Ich spreche von Leuten wie Georg Wrede, Paul Kiefel, der Familie Schwarz aber auch von der Gräfin mit ihren Löwen und natürlich auch vom Irlmaier, von Künstlern wie Ober oder Brendle aber auch von Verlegern wie Peter Moosleitner und von den Heilingbrunner Schwestern um hier nur ein paar zu nennen. Natürlich dürfen hier auch nicht die Aichers nicht fehlen. Das Titelbild ist übrigen von den Anfängen Kiefels in Freilassing vor 70 Jahren.

Es war vom 70 Jahren, daß Freilassing zwar schon Einkaufsstadt war aber auch als Stadt der Techniker und der Tüftler bekannt war. Die oben angeführten hatten kein Anspruchsdenken oder eine Haltung, dass sich die Politik schon drum kümmern würde. Es wurden Firmen gegründet, geschlossen, Arbeiterwohnungen gebaut, Grundstücke an die Stadt zum Bau einer Schule oder eines Krankenhauses geschenkt. Heute kann man schon froh sein, wenn ein Finanzinstitut einen Baum stiftet. Ja, das war im Klima des Aufbruchs nach dem Krieg, im Gefühl eines Wirtschaftswunders. Es gab den Freiraum, sich auszuprobieren und sich ohne Gängelung durch Behörden durchzusetzen.

Ich muss mir schon eingestehen, dass das wohl etwas zu verklärt dargestellt ist und diese Zeit auch ihre Schattenseiten hatte. Man möge mir das bitte als Impressionismus eingestehen.
Es gibt sie auch heute noch, die Personen, die hier etwas bewegen wollen. Die nicht nur hier wohnen und ansonsten in Ruhe gelassen werden wollen. Das Rückgrat der Stadt ist immer noch das Ehrenamt und all die unbekannten Helden des Alltags. Was uns fehlt ist der Freiraum und die Unterstützung durch Nichtregulierung. Ein Beispiel könnte die Galerie in der Fussgängerzone sein. Ohne den Schweiger Michi wäre da vielleicht jetzt ein weiteres Nagelstudio drin.
Es geht also. Wie können wir Ideen und Gründer besser unterstützen, sie hegen und pflegen ohne sie gleich zu erdrücken? Erst mal Raum zum Ausprobieren geben. Was wäre das für eine Chance in der Innenstadt? Dann sollte man aber auch auf diejenigen hinzuweisen, die in der Vergangenheit den Grundstock geschaffen haben. Damit meine ich nicht nur im Stadtmuseum sondern auch aktiv. Wer weiß denn noch, was diese Leute gemacht und geleistet haben? Warum kann man nicht einmal hier Beispiele setzen? Die Ausstellung von Künstlern des Archivs in der Galerie ist vielleicht ein Anfang.
Lasst uns weniger Geschichten über Grenzkontrollen, weniger über Kontrollapparate von Krankenhauscliquen reden sondern mehr über die Beispiele was möglich ist. Wenn also der neue Landrat ein Guter ist, dann läßt er Freiraum zu und unser Rathaus macht mehr aktive Kooperation mit Bürgern und nicht nur pro-Forma Veranstaltungen. Nicht nur im Wahlkampf zuhören. Es geht. „Das Leben findet einen Weg“.
Antworten