Freilassing die Millionenstadt

Wenn man hier den Nervenkitzel sucht und schnell sein Geld loswerden will, dann kann man entweder mit dem Auto in Salzburger Innenstadt zum Essen in eines der gehobenen Restaurants (möglichst zur Festspielzeit) fahren oder in der Freilassinger Stadtverwaltung für die Bauprojekte zuständig sein. Denn Freilassing ist eine Millionenstadt.

Hielten sich in der Prä-Hiebl Ära die Projekte noch deutlich zurück (das mit dem Badylon war Glück im Unglück mit dem Hochwasser), denn da gab es irgendwann einmal die Lokwelt (die witzigerweise vom Bahnhof nur schwer zu erreichen ist) und dann muss man schon lange zurückgehen. Die AWO nehm’ ich als Träger mal raus. 

Doch als Markus Hiebl das Amt antrat war schnell klar: hier wird viel gebaut. Wer erinnert sich nicht an die Erneuerung des historischen Ortskerns Salzburghofen oder an die Kinderhortsiedlung im Heereszeugamt, an Versprechen über Wohnbau für alle Einkommensklassen uvam? Tatsächlich wurden es in den letzten Jahren der Bauhof, die Reihenhaller Straße, die Erweiterung von Grund und Mittelschule, der Neubau der Berufsschule, die Verwertung des ehemaligen Alpine durch den Herrn Aicher und das neue Gewerbegebiet, dort wo die letzte Ulme stand – in Eham. Dem ISEK sei Dank. Und dem Herren, der der Stadt das Gelände für 8 Mio verkauft hat, so sagt man. 

Das mit den Schulen hat viele Gründe. Zum Einen wollte die grosse Politik den Wählern Ganztagesunterbringung und Kinderbetreuung anbieten und hat das zum Anderen dann den Kommunen genauso überlassen wie die Unterbringung von Asylsuchenden. Macht mal! Und Freilassing liess sich erst lange bitten und dann kam die Grundschule 33 Mio, die Mittelschule 16 Mio (Umbau der alten Grundschule in Salzburghofen lass ich mal unter den Tisch fallen). 

Das mit der weissen Fahne war ich nicht. Ich schwör!
Freundlich blickt uns der Bauhof entgegen…

Der ewig aufgeschobene und unschöne Bauhof mit 14 Mio, die Reichenhallerstraße mit 5 Mio, Gewerbegebiet Eham mit 8 Mio Grunderwerb und der ein oder anderen Mio für Ausbau. Aber auch der Landkreis darf mitmachen. Für sagenhafte 120 Mio gibt es eine neue Berufsschule. Das kostet also fast soviel wie die neue Klinik in Reichenhall, wenn sie denn kommt und die Kosten sich nicht verdoppeln. Der hat sich ja auch schon das alte Krankenhaus für 12 Mio geschnappt. Dazu plant die Stadt im Gegenzug ein Zentrum (RVZ) für einen Betrag, der wohl deutlich höher als 20 Mio sein dürfte, wenn man den Unken glauben will.

Dummerweise werden Grund und Mittelschule ja bald fertig sein und auch Eham sieht schon das Ende kommen. Der Bauhof ist fertig und Münchner Straße und Berufsschule machen andere. Fällt Freilassing jetzt in ein Motivationsloch wenn die großen Brocken weg sind? Man könnte sich ja vielleicht finanziell erholen. 

Weit gefehlt. Wozu sollen sonst die ganzen Leute im Rathaus da sein? Nachdem man rund 200 Mio so auf dem Zettel hat, geht es weiter mit dem zweiten Grundschulstandort (vielleicht kann man sich dann dort einen Keller leisten), dem schon angeführten RVZ, der Neugestaltung der Hauptstraße für ursprüngliche 6 Mio, dem Freilassinger Feld, das wir hiermit in Timmy umfirmieren sollten, dann noch das Bildungszentrum am Bahnhof (da war doch was, oder?) und vielleicht kommen wir dann auch der Antwort näher, warum das Gelände im Norden Eham I heisst. Sprich Eham II? Man könnte meinen, ich sei des Wahnsinns fette Beute. Aber das ist wirklich so. Das ist der Plan und das was uns wichtig ist, oder?

Und weil sich auch der Gesetzgeber am Chaos (nicht aber am Geld) beteiligen will, steht auch noch eine kommunale Wärmeplanung ins Haus. Also nix mit finanziell erholen, zumal die Wirtschaft auch nicht mehr so brummt wie früher. Da bleiben die alten Versprechen und Projekte nur verblichene Bilder im Internet Archiv. Schön kann jeder. Wir können auch teuer. (nicht bei den Läden, nur bei den Bauten. Keine Angst, liebe Nachbarn. Der nächste Discounter kommt schon.)

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