
Hat nicht schon der Irlmaier Alois gesagt, dass unsere Gegend geschützt sei, weil – so der Alois – die Mutter Gottes ihre Hand über den Rupertiwinkel hält? Und so hält auch Freilassing eine gewisse Sonderstellung wenn sie so tut, als gäbe es nichts anderes drumherum, so als ginge uns das alles nichts an, was irgendwo anders passiert. So ist es auch bei den Durchreisenden, die den Ort gleich wieder vergessen haben, so als gäbe es nichts, das zum Anhalten und zum Verweilen bewegen könnte.

Man kann so tun und kann sich hier seine eigene Welt aufbauen. Drum haben wir dieses Wochenende sturmfreien Sonntag für die Autos. Denn Autos braucht man hier immer mehr, wenn der Gang zum Facharzt oder der Besuch der Lieben im Krankenhaus ansonsten zur Abenteuerreise wird. Oder wenn die Zugverbindungen ausfallen oder die Hauptstrecke für ein halbes Jahr gesperrt werden. Vom Einkaufen in der Einkaufsstadt sprechen wir hier erst gar nicht.
Egal. Hier weiss man zu feiern. Irgendeinen Grund wird man schon finden. Jetzt kommt ja auch bald die Maiwiesn, Live Musik Events und noch viel mehr. Bis zur Sommerpause ist alles belegt. Man könnte fast meinen man wäre in einem Club Med.


Dabei müssen auch diejenigen, die das Abenteuer suchen, nicht hintan stehen. Nach 15 Jahren Dauerbaustelle Freilassing ist jetzt mal die Münchnerstraße wieder dran. Es wird wohl einfacher als bei der Reichenhaller Straße aber auch diesmal sind Schleichwege gefordert und wohin Google Maps seine Opfer führt, werden wir noch sehen.

Man verdrängt Dinge wie Energiekrise, wirtschaftliche Misere, Gentrifizierung und den Ausverkauf der Geschichte, denn bei uns ist alles gut und gut geplant. Selbst den Fluglärm hören wir fast nicht mehr und wenn der Wind wieder den Gestank rüberweht, dann ist das halt so. Ob das so gut geht? Ich fürchte fast, dass der Irlmaier damit was anderes gemeint hat. Wie wirbt der Bauherr doch noch: Schlafen in Bayern und Arbeiten in Salzburg. Da ist kein Platz mehr für Identität und Geschichte. Es wird spannend und interessant in diesem Jahr.
„Mögest du in interessanten Zeiten leben“
Chinesischer Fluch
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