Warum Freilassing kein Krankenhaus verdient

Was unser Nicht-Mehr-Krankenhaus in Freilassing mit unserem alten Ölofen zu tun hat? Leider mehr als man denken würde. 

Nein, früher war nicht alles besser. Vieles war schlechter, aber eben nicht alles. In längst vergangenen Zeiten wurde bei uns mit Öl geheizt, das man aus dem Keller nach oben schleppen und dann möglichst sauber in den Ölofen füllen musste. Heisses Wasser aus der Leitung gab es nicht. Das war damals Standard. Später wurde dann auf Zentralheizung umgestellt. Das war damals ein richtiger Meilenstein an Luxus. Es gab keinen Zwang dazu. Es war einfach der Fortschritt, den man sich verdient hatte. 

Freilassinger wissen, wo das ist…

Zu der Zeit baute man in Freilassing auch ein richtiges Krankenhaus als Ersatz für die Reichenhaller Straße. Es hatte alles, was man sich damals so wünschte und dementsprechend waren alle Freilassinger richtig stolz darauf. Das Haus stand leicht auf einer Anhöhe, mit Blick über die Stadt bis hinein nach Salzburg mit angenehmem Park und all dem, was man zur Erholung braucht. Es war ein Zeichen für das, was man leisten konnte und ein Signal für den Optimismus jener Zeit. Schaut! Wir können was.

Bis die Politik das Feld für sich entdeckte. Es ist so: Die Amtsträger verstehen viel von den Ränkespielen der Politik aber von den tatsächlichen Problemen der Menschen haben sie nur in Ausnahmefällen Ahnung. Dennoch wollen sie zu allen Themen etwas sagen. Das bringen ihnen dann Berater oder Mitarbeiter bei. Ein Söder (als Beispiel für viele andere) kennt sich nicht mit Atomenergie aus, mit Gesundheitspolitik, KI oder auch mit Militär. Das sind nur erlernte Sprechblasen. Mehr nicht. Wenn also die Politik jetzt etwas ändern will, weil irgendjemand gesagt hat, das wäre so richtig, dann gibt es ein paar Möglichkeiten. Man kann Gesetze erlassen und mit Strafen versehen (Gurtpflicht) oder man kann Geld verschenken (Abschrottprämie) oder, und hier wird es richtig interessant, man kann Strafsteuern einführen. Das hat den Vorteil, dass man dadurch nicht nur die Leute „erzieht“ sondern dass man schlagartig mehr Geld hat. Die Erziehungssteuern sind mittlerweile mehr als die Einkommensteuer!!!

Schröpfen für Anfänger

Natürlich verkauft man das dann halt irgendwie anders. Die Ökosteuer auf Benzin war einmal zur Rettung der Rente gedacht, auch das duale System läuft weiter obwohl es tot ist. Der Wegfall der Tabaksteuer würde ein Riesenloch in die Kassen reissen (nein, das Geld wird nicht für Forschung und Früherkennung verwendet). Die Zuckersteuer und andere Nettigkeiten, die man so plant, sind da in guter Gesellschaft. Wer dabei am meisten verdient, sind die Zulieferer der Ideen, die Berater und die Firmen, die das umsetzen. 

Das waren noch Zeiten als das Unglück seinen Lauf nahm

Genauso läuft es auch bei der Energiewende und der CO2 Abgabe, die bei logischer, nüchterner Betrachtung eigentlich als wirtschaftliches Harakiri in Zeitlupe bezeichnet werden müsste. (Nicht, weil es ideologisch falsch wäre, sondern weil es unterstellt, dass wir allein auf der Welt sind oder alle nach unserer Pfeife tanzen. Tun sie nicht.) Aber sie öffnen Tür und Tor für Unternehmen, die sich daran eine goldene Nase verdienen. In enger Zusammenarbeit mit denen, die das Konzept für die Politiker erst erfunden haben. Die Bürger werden nicht gefragt, denn sie sollen ja erst einmal erzogen werden. So versteht man sich als Oberlehrer Lämpel.

Das gleiche haben wir ja schon beim Gesundheitssystem erlebt. Reform nach Reform schafft mehr Zentralisierung der Leistungen und entfernt sich immer mehr vom Patienten. Unter dem Deckmantel des Fortschritts will man das rechtfertigen. Es wäre so wie damals mit der Zentralheizung – ein Meilenstein. Tatsächlich wird es immer menschenfeindlicher. Die Priorität ist das Business, dem sich alles unterordnen muss. Nebenbei werden auch Patienten geheilt. 

Die Kosten haben sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht. Wie das geht? Wir haben von einiger Zeit einmal für das Büro Bürostühle benötigt. Weil viel im Sitzen gearbeitet wird sind ergonomische Stühle selbstverständlich. Der Lieferant hatte ein gutes Angebot für 160 Euro. Allerdings, wenn es über die Zertifizierung läuft und entsprechende Förderungen möglich sind, dann kostet der gleiche Stuhl mit Papperl dann halt 640 Euro. Der Lieferant sagt, dass man das so macht, schliesslich müsse man ja die Förderungen abgreifen, oder? Da gibt es noch viel haarsträubendere Berichte aus den Verwaltungen von Krankenhäusern und deren Betreibern. Es geht um unser Geld, das dann als Fortschritt verkauft wird. So wie das Debakel der stümperhaften elektronischen Patientenakte und einem nicht endenden Tsunami an weiteren administrativen Aufgaben für Ärzte. Am Ende zahlen wir alle drauf. Armut als Fortschritt. Wer kann so etwas gut heissen?

Das Ziel der Politik sind Zentralkliniken mit 500 Betten oder mehr. Weil die Kosten zentral verwaltet werden, ist Wildwuchs und Goldrausch angesagt. Auch das Reichenhaller 300-Betten Projekt ist nur eine Massnahme zu Assetmaximierung, bei der man die Nachnutzung schon eingeplant hat. Noch nie haben so viele Zulieferer oder Dienstleister in unserem Gesundheitssystem solch hohen Gewinne gemacht. Es ist ein Schlaraffenland für Private Equity und andere Investoren. Systematisch werden kleinere Kliniken ausgeblutet und mit ihnen die örtliche Versorgung, die Hausärzte, Fachärzte – bis alles abgefressen ist. 

In Freilassing ist schon alles abgefressen und wenn man ein Versorgungszentrum baut, steigen bestimmt in 5 Jahren die Investoren ein. Man muss sich nur ansehen, wie sich der Plan der Stadt vom ersten Entwurf zum letzten Entwurf entwickelt hat. Eine ungesunde Mutation. Da wird geklotzt, wenn man Geld machen kann, nicht weil man den Leuten helfen will. Die Politik orientiert sich am Geld, nicht an den Bürgern. Es wird richtig empfunden, dass Kliniken Pleite gehen und nicht die Vorzeigefirmen, die damit Geld verdienen. Verkehrte Welt.

Jetzt haben wir als Blaupause  das gleiche Schlamassel mit der Fernwärme. Mit der Waffe CO2 Steuer werden Kommunen und Städte gezwungen, sich halbseidenen Beratern und Betreiberfirmen ans Messer zu liefern, auch wenn es unvernünftig ist. Die Kassen werden immer leerer und der Frust der Bürger immer größer. Nur weil die Politik mehr auf die Berater und Lobbyisten hört als auf die Bürger. Glaubt bloss nicht, dass dem Söder auch nur eines dieser Themen wichtiger ist als seine Bratwurst. Unser altes Krankenhaus sollte uns als Mahnmal dienen um uns zu erinnern was wirklich wichtig ist: Geld und Macht. Kein Wunder, dass da alle Parteien ob alt oder neu mitverdienen wollen.

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