So Leute, wer hat sich denn den Söder Markus in der Lokwelt heute angetan? Als kompetenter Sprecher der Region hat er ja eine Menge bewegt. Denk ich. Hmm. Tja, er war mal da auf der Grenzbrücke wegen irgendwas und hat auch bestimmt irgendwas gegessen. Ich werd’ mal recherchieren. Wenn ich sonst nichts zu tun hab.
Weil bei uns ja jetzt Wahlkampf ist gäbe es so viel zu schreiben. Ich würde so gerne die einzelnen Bewerber etwas adäquater präsentieren, denn da steckt so einiges drin. Und je nachdem wie es ausgeht würde das im ZDF entweder ein Wilsberg oder ein Rosamunde Pilcher sein. Vielleicht auch nur ein TerraX “Freilassing – das unbekannte Land”.
Ach was. Da ist ja noch ein wenig Zeit und nebenbei ist ja auch noch Fasching. Also muss ich mich noch ein wenig zurückhalten.
Deshalb sollten wir noch einmal über die unendliche Geschichte der Krankenversorgung sprechen. Warum? Na, weil jetzt offiziell ist, dass der Herr Max Aicher die Twin Towers der Gesundheit nicht baut. Die wurden lange Zeit unter dem sperrigen Begriff “Gesundheitskompetenzzentrum” geführt. Es gab dazu Prospekte, Informationsveranstaltungen und zahlreiche Artikel in den Medien.

Warum das alles? Zunächst einmal weil die kommerzialisierte Gesundheitspolitik, die man brav aus den USA importiert hat, zuerst das Krankenhaus und in der Folge auch die Gesundheitsversorgung vor Ort zerstört – also weniger Ärzte, weniger Fachärzte, weniger Einrichtungen – alles zentralisiert auf Traunstein und München. (Sorry, Reichenhall. Das mit der neuen Zentralklinik glaubt ihr doch schon selber nicht mehr.) Natürlich hat die große Politik gesagt, das man sich drum kümmert und alles gut werden würde. Womit wir wieder beim Söder und Co wären. Das mag jetzt den unbedarften Leser erschrecken, aber passiert ist gar nichts. Gar nichts.


Was wiederum dazu führt, dass sich die lokalen Vertreter einen Interessenkonflikt nach dem anderen antun und somit der Landkreis gegen die Stadt, für die KSOB, gegen die Ärzte vor Ort aber für die große Politik kämpfen. Der Patient bleibt auf der Strecke – was wiederum wenig überraschen nicht gesund ist und einen Wirtschaftsstandort auch behindern kann.
Der Aicher wollte Investor sein und ein überdimensioniertes Gesundheitshaus mit zwei Türmen hinter das alte Krankenhaus bauen – auf dem Grund der Stadt. Anfangs war das noch ein kompaktes, nicht uninteressantes Gebäude als Zentrum für die örtliche Medizin. Jetzt ist der Herr bekannt für seine großzügige Unterstützung des Krankenhauses über Jahre hinweg. Aber er ist auch für seine abstrusen Bauideen bekannt. Man erinnert sich vielleicht an das Salzburger Fussballstadion mit integrierten Hochhäusern. Bei Kindern mit Legos nennt man das Kreativität. Hier allerdings hat sich das Konzept verselbständigt und wurde – wie man so hört – zu teuer und für die Ärzteschaft zu teuer.
Das ist halt so die leidige Erfahrung der Stadt mit Investoren: die wollen dann gleich den ganzen Arm – und sie kriegen ihn meist auch. Bei uns heisst das offiziell, das unsere Stadt investorenfreundlich ist. Der Herr Hollmann weiss das bestimmt zu schätzen.
Die andere Seite, dass man dem Landkreis unterstellt, die Bemühungen um das Gesundheitskompetenzzentrum untergraben und sabotiert zu haben wären nicht überraschend, wenn man sich die Geschichte der Grundstücke und die verschiedenen Aussagen dazu ansieht. Der Landrat hat den Wahlkampf benutzt, um seine Vision darzustellen, die schon so sehr aus der Zeit fällt, dass man an eine Zeit denkt, die man nicht denken soll. Schliesslich war ja alles noch gut, als der Altbürgermeister sich darum kümmerte und in Tandem mit dem Landrat den Stadtrat umgehen wollte. Der gleiche, der auch beschworen hatte, dass das Freilassinger Krankenhaus nicht geschlossen wird.

Wie es weitergeht? Es wird so etwas wie der Ausbau der Bahnstrecke oder die Kernfusion. Bald ist es soweit. Man wird das in den nächsten Wochen im Wahlkampf noch ausschlachten. Dabei geht es erst mal um die Egos der Beteiligten. Sie werden sich wie im Fasching üblich verkleiden und verstellen, alles versprechen und sinnlose Ideen präsentieren nur damit sie im Gespräch bleiben. Meist ist alles nur Show. Und für die Stadt ist es die Entscheidung, ob der Landrat und Landkreis die Stadt regiert oder ob das die Stadt und ihre Vertreter selbst tun. Man denke nur an die lebhafte Unterstützung der Stadt durch Kreis und Land beim Thema Kaindl-Müllverbrennung oder beim Fluglärm. Denn man ist ja investorenfreundlich und Freundschaft ist nie umsonst.