Vielleicht sollte ich einfach irgendwas über Fußball schreiben. Das wäre so viel einfacher und trotzdem ist jeder Experte. Nein, heute geht es um das Messen mit zweierlei Mass. Es geht um das peinliche Aufeinandertreffen von Politik und Wirtschaft. An dieser Stelle die Kommunalausgabe.
Auf der einen Seite haben wir die politisch Verantwortlichen in Rathaus und den Sitzungssälen. Wir erwarten von der Politik, dass sie sich an Recht und Gesetz hält, dass sie die Ethik der normalen Gesellschaft entsprechend repräsentiert. Verbunden mit moralischer Verantwortung und gesundem Menschenverstand kann dies ein erfolgreiches Konzept sein. Es ist so wie ein Autofahrer, der sich immer an die Vorgaben hält und dabei gute Ergebnisse abliefert.
Auf der anderen Seite haben wir Unternehmen aus der Wirtschaft, die ab einer gewissen Größe Gesetze und Vorgaben eher als Herausforderung sehen, die es zu manipulieren und auszuspielen gilt. Je besser man dies macht, um so besser ist das Unternehmen und ein gewiefter Vertreter kann das auch als Erfolg für die Gesellschaft verkaufen. Moralische Verantwortung stört hier nur, denn es ist Haifischbecken, in dem nur wenige überleben. Im Vergleich wäre das der Autofahrer, der dich bei Tempo 100 auf der Autobahn auf dem Pannenstreifen mit 150 überholt.
Beide leben meist in unterschiedlichen Welten aber hin und wieder gibt es dann doch ein Aufeinandertreffen. Wie zuletzt, als Kaindl beschlossen hatte eine Verbrennungsanlage in Rufweite von Freilassing zu bauen. Hier war man nicht erfreut, als man dieses Ansinnen auf den Tisch bekam, schließlich gibt es ja schon Erfahrungen mit der Nachbarstadt. Für Kaindl war dies ein kritischer Moment: die Stadt Salzburg hatte man schon in der Tasche und Umwelt ist dort auch kein so wichtiges Thema. Freilassing hatte ein paar Trümpfe in der Hand, aber man wollte nett bleiben und einigte sich auf den kleinstmöglichen Nenner. Freilassing zieht den Schwanz ein und bekommt dafür eine Messstelle, die schon in der Konzeption nicht der Rede wert war. Kaindl und in der Folge die Stadt Salzburg hätten hier einen Schaden im zweistelligen Millionenbereich riskiert. Sonst wäre man nie freiwillig zum Gespräch gekommen.

Wir bekommen einen Passivsammler als Messstelle. Das wurde auch schon im Frühjahr so kolportiert. Wenn also jetzt irgendwelche Beteiligten große Augen bekommen, dann ist das schon verwunderlich. Die Art der Messung wird normalerweise als Ergänzung zu anderen Messmethoden eingesetzt und ist die billigste Variante, die man bestellen kann. Einmal im Monat wird der Becher analysiert und bewertet. Laut Anbieter fangen die Preise hierfür schon bei 100 EUR im Monat an. Das Problem ist, daß man hier nur Durchschnittswerte bekommt. Schlägt also Kaindl ein, zwei oder dreimal im Monat über die Stränge, so geht das im Durchschnitt unter. Es ist eine Alibi Messstelle.

Wie und warum dies im Ferienausschuss der Stadt gelaufen ist, bleibt immer noch ein Geheimnis der Stadt. Denn auch nach mehreren Monaten stellt die Stadt die Protokolle der Sitzung nicht bereit. Wie man hört, war es billiger so. Und damit kann man sich schon vorstellen, welche Partei hier federführend war – so kurz vor Hasenknopfs Bäumchen Wechsel Dich.

Aber auch die kleinen Firmen lernen mit. DB-Wohnbau beantragt ein 2-Familienhaus in der Matulusstraße mit 3 Wohnungen. Stadträtin Albrecht wunderte sich noch über die Größe der Wohnungen. Als dann plötzlich 5 Klingeln erscheinen, stellt man sich Fragen. Denn jetzt ist es eine Wohnanlage und damit müssen auch mehr Stellplätze nachgewiesen werden. Bisher 4 für die Bewohner und 2 Besucher. Bei 4 Wohnungen müssten es jedoch 6 für Bewohner und 1 für Besucher sein. Und wenn die Klingel stimmt, dann müsste man sogar noch mehr nachweisen.
Ohnehin ist das Projekt eher ein Parkplatz mit angeschlossenem Wohnhaus – war da nicht einmal eine Vorgabe für so etwas? DB-Wohnbau überholt einfach rechts mit 150. Unwillkürlich denkt man dann an das Vorhaben in der Eichetstraße, bei dem diese Firma 16 Wohnungen beantragt, die auch wieder viel zu groß sind. Wer das nicht kommen sieht, der ist selber schuld.

Immer wenn Politik und und Unternehmen aufeinandertreffen, ist das ein Risiko für den Bürger. Auch die KSOB und Salzburger Flughafen, sowie verschiedene Immobilienentwickler sind gute Beispiele dafür, wie auch die deutsche Bahn, die Gesundheitsversorgung und bald die Wärmeplanung. Aber ist nur ein klitzekleines Spitzchen eines riesigen Eisbergs. Was passiert, wenn man dubiose Geschäftsleute an die Kontrolle der Politik lässt, können wir schon länger in den USA miterleben.

Da ist Fussball doch viel einfacher, oder?